Sternenpark soll Romantiker und Astronomen in die Region locken

Die Gahbergkapelle mit der Milchstraße Foto: Hannes Schachtner – Astronom. Arbeitskreis Szkg.

Das Bedürfnis der Menschen, auch nachts sicher auf den Straßen und Wegen unterwegs zu sein, hat zu immer mehr nächtlicher Beleuchtung geführt. Straßen, Häuserfronten, Wahrzeichen werden beleuchtet, Schaufenster, Märkte und Reklametafeln tun ihr Übriges. Viel Licht kommt aber nicht nur dort an, wo es beabsichtigt ist, sondern reflektiert in den Nachthimmel über den Ortschaften und Städten. Neben dem durchaus auch wirtschaftlichen Schaden, der durch dieses verlorene Licht in den Kassen der Kommunen entsteht, führt diese Lichtverschmutzung dazu, dass sich der Himmel über bewohntem Gebiet mehr und mehr aufhellt. Im gleichen Maß geht den Menschen der sternenübersäte Nachthimmel verloren. Menschen in einem Ballungsgebiet leben beinahe in einer immerwährenden Dämmerung.

„Die Region „Naturpark Attersee-Traunsee“ ist in der glücklichen Situation, dass unser Nachthimmel schon jetzt in vielen Nächten eine beeindruckende Sternenpracht zeigt. Um diese Situation beizubehalten und noch weiter zu verbessern, wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen und die neuesten Erkenntnisse in der Beleuchtungstechnik dazu nutzen, um das Licht genau dorthin zu bringen, wo es benötigt wird und die Lichtverschmutzung Stück für Stück weiter zu verringern“, erklärt Clemens Schnaitl vom Naturpark Attersee-Traunsee.

Auf einer Fläche von 106 Quadratkilometern haben deshalb die Gemeinden Altmünster, Steinbach am Attersee, Weyregg, Schörfling und Aurach am Hongar die Beleuchtungsquellen bereits massiv reduziert und auf warmweißes Licht, das von oben nach untern scheint, geändert. Nun wartet man auf die Experten-Entscheidung der International Dark-Sky Association (IDA) zur Anerkennung des ersten Sternenparks in Österreich. Als einzige Destination in den Alpen hat bisher der in Bayern gelegene Sternenpark „Winklmoosalm“ das Zertifikat „Dark-Sky-Park“ der IDA erhalten.

Bei einem Sternenpark spricht man übrigens von einem Licht- und Landschaftsschutzgebiet, in dem die nächtliche Dunkelheit und die natürliche Nachtlandschaft als Schutzgut betrachtet wird und vor Lichtverschmutzung möglichst geschützt sein soll. Erreicht wird dies mit Licht-Management-Plänen und Umrüstung bei Straßen- und Außenbeleuchtung in den Gemeinden. Auch der grüne Landesrat Stefan Kaineder hat sich dazu in zwei Gemeinden der Region ein Bild über deren Konzepte zur Vermeidung von Lichtverschmutzung sowie die vom Umweltressort geförderte Umrüstung der Beleuchtung gemacht. „Gelingt es uns die Lichtverschmutzung einzudämmen, können wir einen gesunden Lebensraum für Mensch und Tier sowie die eindrucksvolle Nachtlandschaft erhalten. Bei der Lichtverschmutzung wollen wir als internationaler Vorreiter weiter die notwendigen Maßnahmen setzen und das Umweltressort wird die Gemeinden dabei bestmöglich unterstützen. Denn unser Ziel muss sein, dass wir schädliche Licht- und auch Energieverschwendung schrittweise verringern“, sagt Klimalandesrat Stefan Kaineder.

„Wir freuen uns sehr, dass die Region des Naturparks Attersee-Traunsee nun als erster Sternenpark Österreichs nominiert ist. Das weithin bekannte Sternenpark-Motto „Carpe diem – protege noctem“ steht sehr bildlich für die zukünftige Ausrichtung als Natur- und Sternenpark. Am Tag „schützen und nützen, erleben und begreifen“ wir die lebensraum- und artenreiche bäuerliche Kulturlandschaft des Naturparks und in der Nacht bewahren wir durch sorgsame Lichtnutzung die Funktionalität der Nachtnatur. Dafür können wir uns eines tiefen, klaren Blickes in den Sternenhimmel erfreuen“, sagt Naturpark-Manager Clemens Schnaitl.

Zahlreiche Astronomen lockt die perfekte „Dunkelheit“ im Seengebiet bereits an. Laut Naturpark-Chef Clemens Schnaitl sollen aber auch Naturliebhaber und vor allem Romantiker auf ihre Kosten kommen. Dazu ist bereits ein Übernachtungs-Package mit Romantik-Dinner und Führung durch die Welt der erotischen Pflanzen geplant – und welcher Titel würde da besser passen als „50 Shades of Green“.